Die archäologische Baubegleitung der Gaserschließung der nördlichen Ostprignitz von 2004-2006

Im Zeitraum von 8/2004 bis 11/2005 wurden von der nördlichen Landesgrenze bei Freyenstein bis nach Wutike ca. 70 km Gasleitung verlegt und die Arbeiten komplett archäologisch begleitet. Die Fortsetzung der Trasse nach Norden liegt in Mecklenburg mit einer anderen Denkmalschutzgesetzgebung, nach Süden hin wurden die Bauarbeiten von einer anderen Grabungsfirma begleitet.

Die Art der archäologischen Baubegleitung eines derart umfangreichen, linearen Projekts wurde vom Brandenburgischen Landesamt vorgegeben. Wie bei jeder Baubegleitung wurden bekannte Fundplätze und Verdachtsflächen ausgewiesen, in denen obligat dokumentiert werden musste. Zusätzlich mussten alle nicht beauflagten Abschnitte kontrolliert werden.
Bei fehlender Befundlage wurde auf eine Dokumentation verzichtet.

Auf diese Weise bot sich die Gelegenheit, einen kontinuierlichen Schnitt durch eine geologisch und morphologisch vielfältige Landschaft aus End- und Grundmoräne, Sanderflächen und Flussniederungen zu erfassen. Bekannte Fundplätze waren zu verifizieren und bislang unbekannte Geländeabschnitte nach Fundstellen zu screenen.
Leider wurden bereits während der Laufzeit der Untersuchung die Auflage, alle Streckenabschnitte zu kontrollieren, zurückgenommen.

Die kontinuierliche Kontrolle der Trassen erwies sich als außerordentlich erfolgreich, zumindest was die Urgeschichte betrifft.
fpl 3 Gemarkung Freyenstein,
1 km nördlich vom Ortsausgang nach Jaebetz

Höhe ca. 85 m üNN
Fundplatz Freyenstein 42
Siedlung, vorrömische Eisenzeit
Auf eine Länge von ca. 180 m wurden 27 Gruben
und eine Kulturschicht angeschnitten.
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fpl 3 Freyenstein, Ortslage

Höhe ca. 80-83 m üNN
Fundplatz Freyenstein 20, spätmittelalterlicher Stadtkern
Im Stadtgebiet wurden neben spätmittelalterlichen Kulturschichten einige Bohlen
der ersten Bebauung, im Kirchhof mindestens 9 Bestattungshorizonte und nördlich
vor der Altstadt die Reste eines Knüppeldamms festgestellt.
Die Ergebnisse sind als pdf-Artikel publiziert, um das Dokument zu laden, ... hier klicken ...
fpl 3 Gemarkung Freyenstein,
am südlichen Ortsausgang Richtung Wulfersdorf

Höhe ca. 84 m üNN
neuer Fundplatz
Am Abzweig Massower Weg wurde eine urgeschichrliche
Siedlungsgrube mit wenig unspezifischer Keramik angeschnitten.
Gemarkung Freyenstein, südlich am Massower Weg

Höhe ca. 85 m üNN
neuer Fundplatz
Siedlung, urgeschichtlich
Auf 9 m Länge wurde eine Kulturschicht mit etwas
urgeschichtlicher Keramik festgestellt.
Gemarkung Freyenstein,
nördlich am Ortsausgang Neu Cölln

Höhe ca. 82 m üNN
neuer Fundplatz
Siedlung, evtl. Grab, Römische Kaiserzeit
Auf 67 m Länge wurden eine Kulturschicht, drei Gruben
und ein Graben angeschnitten. Durch die Keramik
und eine Bernsteinperle ist der Fundplatz datierbar.
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Gemarkung Wulfersdorf, südlich der Redlitz

Höhe ca. 84 m üNN
Fundplatz Wulfersdorf 15, Siedlung, Jungbronzezeit
Auf etwa 150 m Länge wurden 21 Siedlungsgruben angeschnitten;
die Keramik läßt eine vorsichtige Datierung in die Jungbronzezeit zu.
Gemarkung Wulfersdorf,
nordwestlich am Ortsausgang

Höhe ca. 80-87 m üNN
Fundplatz Wulfersdorf 13, Siedlung, römische Kaiserzeit
Auf einer Länge von etwa 260 m wurden 31 Befunde, darunter
2 mögliche Grubenhäuser und ein Rennofen dokumentiert.
Die Keramik datiert die Siedlung in die römische Kaiserzeit
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Wulfersdorf, Ortslage

Höhe ca. 77 m üNN
- neuer Fundplatz, Siedlung der Urgeschichte
Nordwestlich der Kirche wurden zwei urgeschichtliche Siedlungsgruben
aus dem Zeitraum Bronzezeit bis Eisenzeit angeschnitten.
- Kirchhof mit Bestattungen, Spätmittelalter bis frühe Neuzeit
Westlich der Kirche wurden außerhalb der heutigen Kirchhofgrenze
17 Gräber freigelegt.
fpl 3 Wernikow, Ortslage

spätmittelalterlicher / frühneuzeitlicher Ortskern
Höhe ca. 63 m üNN
Ortslage Wernikow
Im östlichen Ortsteil wurden einige Gruben angeschnitten,
die etwas spätmittelalterliche Grauwarenscherben enthielten.
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Gemarkung Zaatzke,
südlich der Straße Wernikow-Volkwig
Höhe ca. 66-70 m üNN
neuer Fundplatz
Siedlung, vorrömische Eisenzeit
Auf eine Länge von ca. 630 m wurden 11 Gruben angeschnitten,
von denen eine in die vorrömische Eisenzeit datiert werden kann.
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Gemarkung Wernikow,
westlich am Ortsausgang von Neu Biesen

Höhe ca. 70-72 m üNN
Neuer Fundplatz
Siedlung, Jungbronzezeit
Auf eine Länge von ca. 320 m wurden ein Brunnen und
27 Gruben angeschnitten; dendrochronologisch wurde der
Brunnen ins 10. vorchristliche Jahrhundert datiertiert.
Der Fundplatz ist als PDF-Dokument publiziert,
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Gemarkung Zaatzke, nördlich des Ortes
Höhe ca. 75 m üNN
neuer Fundplatz
Siedlung, vorrömische Eisenzeit und Slawenzeit
Auf etwa 200m Länge wurden 5 urgeschichtliche Gruben angeschnitten,
von denen 3 in der vorrömische Eisenzeit und eine vermutlich in die
Mittelslawenzeit datiert. Der Abschnitt ist Teil eines größeren Fundplatzes.
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Gemarkung Zaatzke, nördlich des Ortes
Höhe ca. 75 m üNN
neuer Fundplatz
Siedlung, Jungbronzezeit bis vorrömische Eisenzeit
Auf etwa 400m Länge wurden 5 urgeschichtliche Gruben angeschnitten.
Der Abschnitt ist vermutlich Teil eines größeren Fundplatzes.
Neu Biesen, südöstlicher Ortsausgang
Höhe ca. 70-74 müNN
neuer Fundplatz
Siedlung, Jungbronzezeit bis Eisenzeit
Der Siedlungsplatz wurde auf etwa 450 m angeschnitten,
3 Gruben liegen östlich und 30 Gruben westlich der Autobahn
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Gemarkung Zaatzke,
südwestlicher Ortsausgang nach Maulbeerwalde
Höhe ca. 72 m üNN
Zwei neue Fundplätze
- Siedlung, ältere Bronzezeit
Auf etwa 35 m Länge wurde 7 Gruben angeschnitten, von denen
eine das zerscherbte Oberteil eines Riesenbechers enthielt.
- Siedlung Jungbronzezeit bis Eisenzeit
Auf etwa 150 m Länge direkt am Ortsausgang Zaatzke wurden
26 Gruben und eine Kulturschicht angeschnitten.
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Zaatzke, südöstlicher Ortsausgang nach Glienicke
Höhe ca. 75 m üNN
Neuer Fundplatz
Siedlung, urgeschichtlich
Auf etwa 20 m Länge wurde 3 Gruben angeschnitten, die etwas
urgeschichtliche Keramik enthieltem.
Glienicke, im Ort
Höhe ca. 72 m üNN
Fundplatz Glienicke 2, spätmittelalterlich-/frühneuzeitlicher
Ortskern und urgeschichtliche Siedlung
Im Ort wurde eine sicher urgeschichtliche Grube angeschnitten,
eine Datierung der Keramik war nicht möglich.
Gemarkung Glienicke, östlich des Ortes Richtung Jabel
Höhe ca. 71 m üNN
neuer Fundplatz
Siedlung, urgeschichtlich
Auf etwa 35 m Länge wurde etwa urgeschichtliche Keramik in einer Schicht
und einer Grube gefunden. Eine Datierung ist nicht möglich.
Jabel, im Ort, 2 Fundplätze
Höhe ca. 70 m üNN
- Bekannter Fundplatz Jabel 7, Ortsmitte, Jungbronzezeit
Im nördlichen Ortskern wurden 2 Siedlungsgruben gefunden.
- Neuer Fundplatz, nordwestlicher Ortsausgang, Jungbronzezeit
Im Acker westlich der Straße nach Zaatzke wurden auf einer
Strecke von 70 m Länge 14 Siedlungsgruben angeschnitten.
Gemarkung Jabel,
am südlichen Ortsausgang
Höhe ca. 72 m üNN
neuer Fundplatz
Siedlung, Jungbronzezeit bis Eisenzeit
Auf etwa 70 m Länge wurden 15 Gruben angeschnitten, die nur wenig
unspezifische Keramik enthielten. Der Abschnitt ist evtl. Teil eines
größeren Fundplatzes bis in den Nordwesten des Ortes.
Gemarkung Papenbruch,
nördlich des Ortes an der Autobahn
Höhe ca. 80-85 m üNN
Bekanntes Bodendenkmal
Mittelalterliche Landwehr Wittstock
Die Landwehr ist über weite Teil auch oberirdisch gut erhalten.
Südlich der Autobahn in der Gemarkung Papenbruch ist sie nicht
mehr sichtbar; hier wurden 2 größere Gräben angeschnitten,
die als Fortsetzung der Landwehr interpretiert werden.
Papenbruch, im Ort
bekannter Fundplatz Papenbruch 6
- Spätmittelalterlicher / frühneuzeitlicher Dorfkern
In diese Zeitstellung gehören der Kirchhof und ein möglicher Bohlenweg mit Holzwasserleitung.
Der Kirchhof reicht bis an die Dorfstraße, die begrenzenden Bestattungen wurden erfasst.
Im tieferliegenden, westlichen Teil des Ortes wurden Holzbohlen des 13. Jh. als Oberflächen-
befestigung und darauf eine hölzerne Wasserleitung des 16. Jh. angeschnitten.
- Siedlungsplatz der vorrrömischen Eisenzeit, für mehr Informationen und die
Keramikabbildung klicken ...
Blandikow,
südlicher Ortsausgang am Wiesenweg
Höhe ca. 62-65 m üNN
neuer Fundplatz
Siedlung, Jungbronzezeit bis Eisenzeit
Auf etwa 200 m Länge wurden 5 Gruben,
darunter vermutlich ein Grubenhaus angeschnitten.
Gemarkung Blandikow,
700 m südlich des Ortes am Wiesenweg
Höhe ca. 63 m üNN
neuer Fundplatz
Siedlung, urgeschichtlich
Auf etwa 50 m Länge wurden 3 Gruben angeschnitten,
die wenig unspezifische urgeschichtliche Keramik enthielten.
Gemarkung Blandikow,
1,3 km südlich des Ortes am Wiesenweg
Höhe ca. 61 m üNN
neuer Fundplatz
Siedlung, mittelslawisch
Auf etwa 90 m Länge wurden 2 Gruben angeschnitten,
die wenig mittelslawische kammstrichverzierte Keramik enthielten.
Blumenthal, Ortslage
Höhe ca. 56-62m üNN
vier Fundplätze
- Mühlenweg, bekannte Fundplätze Blumenthal 2-4:
Gräberfeld Jungbronzezeit, Siedlung Jungbronzezeit und Völkerwanderungszeit
- westlicher Ortskern am Bahnhof, bekannter Fundplatz Blumenthal 7: Siedlung RKZ
- südlicher Ortskern, neuer Fundplatz: Siedlung, urgeschichtlich
- nördlicher Ortskern, bekannter Fundplatz Blumenthal 10: Wassermühle des 13. Jahrhunderts
zu den Funden am Mühlenweg gibt es ein pdf-Dokument, dazu hier klicken
Dahlhausen, südliche Ortslage
Höhe ca. 84 m üNN
Fundplatz Dahlhausen 3, Siedlung, vorrömische Eisenzeit
Im südöstlichen Dorfbereich wurde eine Siedlungsgrube angeschnitten,
die dem bekannten Fundplatz 3 zuzuordnen ist
Horst, Ortslage westlich der Kapelle
Höhe ca. 53 m üNN
Bekannter Fundplatz Horst 10, Ortsmitte an der Kapelle.
Der Fundplatz ist als slawischer Siedlungsplatz eingetragen.
Die 3 angeschnittenen Siedlungsgruben enthielten wenig Keramik,
die in die Jungbronzezeit bis Eisenzeit datiert.
Gemarkung Rosenwinkel,
1 km nördlich des Ortsausgangs
Höhe ca. 53 m üNN
neuer Fundplatz
Auf einer flachen Geländewelle wurden auf etwa 30m
drei urgeschichtliche Siedlungsgruben angeschnitten.
Rosenwinkel, im Ort
Höhe ca. 49 m üNN
neuer Fundplatz, Siedlung, Jungbronzezeit
Südlich der Jägelitz wurden auf einer Länge von etwa 40 m
21 Siedlungsgruben angeschnitten
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Gemarkung Rosenwinkel, 400m nördlich von Wutike
Höhe ca. 48 m üNN
Neuer Fundplatz
Siedlung, urgeschichtlich
Auf eine Länge von 100 m wurden 3 Gruben angeschnitten, die etwas
urgeschichtliche Keramik enthielten. Ein Zusammenhang mit der
direkt südlich liegenden, eisenzeitlichen Siedlungsstelle ist wahrscheinlich.
Gemarkung Wutike,
300m nördlich vom Ortsausgang nach Rosenwinkel
Höhe ca. 46 m üNN
Neuer Fundplatz
Siedlung, vorrömische Eisenzeit
Auf eine Länge von ca. 15 m wurden 2 Gruben angeschnitten, die
datierbare Keramik enthielten. Ein Zusammenhang mit der direkt
nördlich liegenden, urgeschichtlichen Siedlungsstelle ist wahrscheinlich.
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Gemarkung Grabow,
400 m westlich vom Ortsausgang nach Horst
Höhe ca. 56 m üNN
neuer Fundplatz, Siedlung, römische Kaiserzeit
Auf etwa 170 m Länge wurde eine Kulturschicht und zwei Gruben
angeschnitten, die etwas Keramik und eine Bronzenadel enthielten
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Grabow, nördliche Ortslage
Höhe ca. 56 m üNN
neuer Fundplatz, Siedlung, Eisenzeit
Im nordöstlichen Dorfbereich wurde eine Siedlungsgrube
angeschnitten, die etwas Keramik der Eisenzeit enthielt.
Königsberg, Ortslage südlich der Kirche
Höhe ca. 55 m üNN
neuer Fundplatz
Siedlung, Jungbronzezeit bis Eisenzeit
Auf 25 m Länge wurde 7 Gruben angeschnitten,
die etwas urgeschichtliche Keramik erbrachten.
Gemarkung Christdorf,
am Ortsausgang in Richtung Herzsprung
Höhe ca. 60 m üNN
neuer Fundplatz, Siedlung, Jungbronzezeit
Auf einer Länge von etwa 200 m wurden 43 Gruben angeschnitten,
von denen 5 sicher jungbronzezeitlich datieren.
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Lütkendosse, Gemarkung Fretzdorf
Höhe ca. 55 m üNN
neuer Fundplatz
Friedhof, Neuzeit
Der Friedhof liegt südlich der Straße Herzsprung / Ernstenswille
etwa auf einer Fläche von 12 mal 24 m. Er ist völlig überwuchert,
die Grabsteine belegen eine Nutzung im 19. und 20. Jh.
Insgesamt wurden 44 vor- und frühgeschichtliche Fundstellen angeschnitten. Nur 11 waren bereits bekannt.
Von den 33 neuen Fundplätzen liegen 23 in ausgewiesenen Verdachtsflächen und immerhin 9 in nicht beauflagten Abschnitten.
Diese 9 Fundstellen wären bei einer konventio- nellen Begleitung nicht entdeckt worden.
Ein Fundplatz wurde in einem kurzfristig projektierten und daher nicht beauflagten Trassenabschnitt gefunden.

Für das deutsche Mittelalter und die frühe Neuzeit ist die Bilanz umgekehrt.
Von den 13 untersuchten Dorfkernen lieferten nur 3 (Wulfersdorf, Papenbruch, Blumenthal) nennenswerte Ergebnisse.
Der einzige untersuchte Stadtkern (Freyenstein) brachte erwartungsgemäß neue Erkenntnisse und Datierungen.

Die Karte ist interaktiv, die roten Punkte markieren die festgestellten Fundplätze. Jeder Punkt liefert bei Berührung mit dem Mauszeiger Grundinformationen, viele Punkte lassen sich zusätzlich anklicken und bieten Weiter- gehendes.
Eine kurze Zusammenfassung zur Verteilung und zeitlichen Einordnung der vor- und frühgeschichtlichen Fundplätze gibt es hier.