Durch die Zeiten


Im Havelberger Raum durch die Zeiten - ein kurzer Überblick

Die Steinzeit ist mit mehr als 2 Millionen Jahren Dauer der absolut längste Abschnitt der Menscheitsgeschichte. Ab dem ersten Auftreten in Afrika vor etwa 2,5 Mio Jahren bis zur Erfindung der Bronze ist Stein das Material für Werkzeuge und Waffen schlechthin. Unterteilt wird die Steinzeit in Alt-, Mittel- und Jungsteinzeit. Fundplätze der Altsteinzeit sind in Mittel- und Nordeuropa rar; u.a. weil die Gletscher der Eiszeiten die Landschaft weitgehend umgestaltet haben. Im Havelberger Raum ist keine altsteinzeitliche Fundstelle bekannt.
Mesolithikum
Mit der Erwärmung nach der letzten Eiszeit und der Neuansiedlung einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt etabliert sich etwa um 9500 v. Chr. die halbsesshafte Jäger- und Sammlerkultur der Mittelsteinzeit (Mesolithikum). Immerhin ein Fundobjekt aus dieser Epoche, das Geweihgerät von Strodehne, können wir hier vorstellen. Bekannte mesolithische Fundplätze der größeren Region sind die Siedlung Friesack mit vielen Artefakten aus organischem Material oder das Grab von Rothenklepenow.
Neolithikum
Etwa um 9000 bis 8000 v. Chr. wird im Nahen Osten der Anbau von Getreide erfunden, relativ zeitgleich werden die Wildformen von Rinder, Schafen und Ziegen domestiziert. Eine durchgehend sesshafte Lebensweise mit dauerhaften Siedlungen und religiösen Bereichen etabliert sich, die Herstellung von Keramikgefäßen wird erfunden. Stein, weiterhin Grundlage für die Werkzeugherstellung, wird nun nicht mehr nur zugeschlagen, sondern geschliffen. In Mitteleuropa tauchen diese Erfindungen und damit eine komplett neue Lebens- und Wirtschaftsweise etwa um 5500 v. Chr. auf. Die Jungsteinzeit (Neolithikum) wurde von Migranten aus der Ursprungsregion über den Mittelmeerraum und das Donautal bis in die Uckermark gebracht. Auf eine relativ uniforme Anfangsphase folgen eine Vielzahl von lokalen neolithischen Kulturen aufeinander; unterschieden werden sie meist durch charakteristische Keramikgefäße oder durch die Art ihrer Bestattungen. Im Havelberger Raum können wir die Tiefstichkultur und die Kugelamphorenkultur am Großen Burgwall und am Domberg nachweisen. Die Schnurkeramik, die bereits den Übergang zu den Metallzeiten markiert, ist durch einige Steinäxte belegt.
Bronzezeit
Auch die neue Technologie der Bronzeherstellung kommt aus Südosteuropa und Kleinasien; hier entstehen bereits im 4. vorchristlichen Jahrtausend erste Hochkulturen mit Schrift und Handel. Ab 3500 v. Chr. entwickelt sich Uruk im Zweistromland als bedeutendes städtisches Zentrum mit der ersten Schrift der Menschheit. Die großen Pyramiden von Gizeh entstanden etwa 1000 Jahre später in der Zeit zwischen 2600 und 2500 v. Chr.
In Mitteleuropa sprechen wir etwa ab 2200 v. Chr. von Bronzezeit, in Nordeuropa etwa ab 1800. Bedeutende Funde der frühen Bronzezeit sind die Himmelsscheibe von Nebra und die Goldhüte. Wichtige Fundorte unserer Region sind die Grabhügel von Leubingen bei Erfurt und Helmsdorf im Mannsfelder Land und ein Depotfund bei Dieskau im Saalekreis. Ab ca. 1300 v. Chr. - Tutanchamun, Pharao der 18. Dynastie in Ägypten ist gerade 100 Jahr tot und der trojanische Krieg steht bevor - beginnt bei uns die jüngere Phase der Bronzezeit, die Lausitzer Kultur. Kennzeichen sind befestigte und unbefestigte Siedlungen mit bis zu 30m großen Langhäusern, große Urnengräberfelder, Bronze- und Goldhorte und Grabmonumente, die gerne als Königsgräber bezeichnet werden.
In der Havelberger Region gibt es neben etlichen Einzelfunden, die im Prignitzmuseum zu Havelberg ausgestellt werden (Bild oben), einige bemerkenswerte Fundplätze, wie das jungbronzezeitliche Urnenfeld von Toppel, ein großes Urnenfeld bei Breddin, das von der Mittelbronze- bis in die Eisenzeit reicht und einen jungbronzezeitlichen Schatzfund, der bei Jederitz aus der Havel gebaggert wurde. Diese drei Fundplätze werden hier auf den folgenden Seiten vorgestellt
Eisenzeit
Im Vorderen Orient wurde ab etwa 1000 v. Chr. die Bronze zumindest für Werkzeuge und Waffen durch das härtere Eisen ersetzt. In Mitteldeutschland tauchen ab 800 v. Chr. erste Eisengegenstände auf, in Nordeuropa endetet die Bronzezeit erst etwa um 500 v. Chr. Trotz einer neuen Metallurgie bei höheren Temperaturen bleibt im Grunde kulturell vieles beim Alten, wie etwa das Gräberfeld von Breddin zeigt. Der ebenfalls hier vorgestellte eisenzeitliche Fund, die Gürtelkette von Nitzow, zeigt eindrucksvoll die weiten Kontakte nach Süden in den keltischen Raum. Diese frühen Phase der Eisenzeit bis etwa zur Zeitenwende ist in unserem Raum nach der Jastorf-Kultur benant. Ab der Zeitenwende gerät auch unsere Region in den Focus des expandierenden römischen Reiches. Römische Militärs, Natur- und Sozialforscher beschreiben die damals bekannte Welt und überliefern die ersten ethnischen Begriffe; aus den Trägern der Jastorf-Kultur werden Elbgermanen. Diese Phase der Eisenzeit von der Zeitenwende bis 375 n. Chr. wird Römische Kaiserzeit genannt. An den Kontaktzonen zum römischen Imperium lassen sich nun einzelne Gruppen der Elbgermanen als "Stämme" fassen. Römische Kulturgüter finden ihren Weg in nichtbesetzte Gebiete, wie etwa eine Gemme und Münzen vom Domareal. In der sich anschließenden Völkerwanderungszeit zieht der größte Teil der ansässigen germanischen Bevölkerung nach Südwesten. Fundstellen dieser Epoche sind rar, im Raum Havelberg gibt es lediglich Einzelfunde wie die Bügelknopffiebel vom "Fleckengarten", die Urne vom "Kahlen Luch" oder den Sax im Bild rechts, ein einschneidiges Schwert aus der Havel.
Slawenzeit
Der weitgehend menschenleere Raum wird im Frühmittealter ab dem 5. Jh. von den aus Südosten einwandernden Slawen neu besiedelt. Im Raum westlich der Elbe expandieren die germanischen Franken und entwickeln sich zur westeuropäischen Großmacht dieser Zeit. Auch bei den Westslawen bilden sich Herrschaftsstrukturen aus. Die Vielzahl der Burgen verdeutlicht die Bestrebungen, der deutschen, später auch der dänischen und polnischen Expansion zu widerstehen. Die erste deutsche Besatzung und die Gründung der Bistümer Brandenburg und Havelberg wird 983 n. Chr. durch einen Aufstand erfolgreich beendet. Bis ins Hochmittealter bleibt die Region politisch unabhängig, wenngleich sich eine kulturelle Annäherung deutlich abzeichnet. Internationales Geld zirkuliert, Waffen und Kulturgüter werden gehandelt. Archäologisch liefern die Handelsniederlassungen in Hafenstädten ein reiches Fundspektrum. Der Havelberger Raum war durch seine Grenznähe und Lage an den Verkehrswegen Elbe und Havel sicher ein bedeutender Verkehrsknoten; die Burgwälle, Siedlungen und Schatzfunde sind Indizien dafür. Neben der Archäologie liefert nun auch die Geschichtsschreibung wieder Erkenntnisse zur Havelberger Geschichte. So wird der slawische Fürst Wirikind von Havelberg urkundlich erwähnt, der 1128 am Hof Kaiser Lothars in Merseburg auf den Bischof Otto von Bamberg trifft.
Deutsches Mittelalter
Mit der endgültigen deutschen Besatzung um 1150 wird in Havelberg der Dombau begonnen, das ganze Areal stark befestigt und die Siedlung auf der Havelinsel ausgebaut. Im archäologischen Fundgut des Hochmittelalters tauchen nun christliche Symbole auf, wie z.B. der Bronzechristus rechts im Bild, der bei Quitzöbel ausgepflügt wurde. Er datiert ins 12. Jh. und war ursprünglich an einem Holzkreuz befestigt. Im 14. Jh. wird erstmals die Stadtkirche St. Laurentius erwähnt. Das Hoch- und Spätmittelalter ist hier durch die Beiträge zur Stadtinsel und dem Domareal mit der Beinhauskapelle vertreten. Eine Einführung in die Havelberger Geschichte ab dem 13. Jahrhundert finden sie unter Stadtgeschichte auf den Seiten der Stadt Havelberg.

Abbildungsnachweis